Vor etwa 6 Monaten habe ich ein Zugeständnis an meinen schnellen AMD 64Bit-Prozessor gemacht. Die 32Bit-Ära ist vorbei, das war mein Credo schon als ich die Kiste gekauft hatte. Und im April habe ich (Safety first!) alle Daten gesichert, eine Partition für Windows x64 vorbereitet und das System installiert.

Riecht und schmeckt wie Windows XP, so mein erster Eindruck. Sieht auch so aus. Aber nach einiger Zeit merkte ich doch, dass beim Alltagsbetrieb viele Steine im Weg liegen.

  • Zum einen gibt es noch keine Version von Antivir, die unter Windows x64 läuft.
  • Hinzu kommen einige Geräte, bei mir eine D-Link Wireless G WLAN-Karte, für die es noch keine Treiber gibt. Egal erstmal, WLAN hat eh der Teufel gemacht. Wieder mit Kabel ins Netz.
  • Als ich aber mit meinem schicken Entryx 1GB-Mp3-Player ankam, ignorierte mein Rechner das Gerät einfach. Er zeigte zwar an, ein Laufwerk gefunden zu haben, aber darauf zugreifen oder ihn über USB aufladen war unmöglich.
  • Das wichtigste aber ist folgendes: Das System arbeitete unterm Strich nicht schneller als Windows XP. Die Gründe dafür sind vielfältig, unter anderem liegt es an mangelnden Programmen, die 64-Bit fähig sind. Wie z.B. eine aktuelle Version von Photoshop – die ich nicht habe.

Das war das Ende meiner Toleranz. Leider bringt es das althergebrachte Prinzip des IBM-kompatiblen Computers mit sich, dass manche sinvollen Entwicklungen aus marktwirtschaftlichen Gründen nicht weiterverfolgt werden. Heisst in unserem Fall: Es gibt zuwenig x64-User, also kümmern sich auch die meisten Gerätehersteller nicht primär um die Kompatibilität ihrer Produkte.

Nur: Ein vernünftiges Betriebssystem, das alles aus einem 64Bit-Prozessor rausholt, gibt es noch nicht. Es sei denn, man tut sich die Sysiphos-Arbeit an und recherchiert vor dem Kauf, wann die benötigte Software und Hardware (mit entsprechenden Treibern) auf den Markt kommt. Dann käme man mit x64 evtl. zurecht.

Anscheinend arbeitet bei Microsoft 90% der Belegschaft am Debuggen von Windows Vista, um mit hängender Zunge Apples Usability-Vorsprung zu verkürzen.
Natürlich sind auch die Herstellerfirmen an solchen Fehlentwicklungen schuld. Avira (Hersteller von Antivir) hat anscheinend keinen Bedarf, die passende Version schnell auf den Markt zu bringen.

2007 wird Windows Vista die Welt überwschwemmen, dann wird sowieso keine Rede mehr von x64 sein. Denn Vista unterstützt den 64Bit-Technologie und liefert somit den besten Grund, umzusteigen.
Ich selbst habe jetzt wieder Windows XP 32Bit installiert. Eine Verlangsamung ist nicht zu bemerken.

Fazit: Mit Windows x64 bekommt die Mutantengruppe von OS/2 und Windows ME Zuwachs. Ab ins Heim für Schwerkonfigurierbare.