Ich hab’s endlich geschafft. Der letzte Versuch, privat Linux auf meinem AMD 3200+ System zu installieren, war 2005 nur leidlich erfolgreich, weil die Version SUSE 9.3 noch keine Dual Head Unterstützung für meine Grafikkarte anbot. Jedenfalls nicht über eine einfache Installation mittels YAST, der Linux-Variante der Systemsteuerung. Mit openSUSE 10.2 ist das Ganze viel einfacher, und siehe da: Meine zwei Monitore waren mit ein paar Mausklicks eingerichtet.

Linux kommt mittlwerweile viel sympathischer und benutzerfreundlicher daher als noch vor ein paar Jahren. Das hängt sicherlich mit der allgemeinen gestiegenen Akzeptanz von OpenSource-Software weltweit zusammen, und der daraus folgenden Nutzerzahl. Die Linux-Community hat das Technische dazu beigetragen. Um nur drei Meilensteine zu nennen:

  • Ubuntu: Diese Linux-Variante (Distribution) wurde von Mark Shuttleworth (der erste Afrikaner im Weltraum und so ‘ne Art Richard Branson) mit einem Startkapital von 10 Mio. Dollar 2005 ins Leben gerufen und ist schon jetzt eine der weitverbreitesten Linux-Distributionen weltweit. Einfache Bedienbarkeit und eine fesche Benutzeroberfläche macht den Umstieg von Windows leichter. Da Ubuntu auf Debian basiert, ist es trotz seiner Jugend ein im Kern ausgereiftes System. Deshalb wird Dell künftig auch Laptops mit vorinstalliertem Ubuntu anbieten.

  • Novell openSUSE: Bis in die 90er hatte die Firma Novell noch das Monopol in Netzwerksoftware, bis die Eintwicklung ähnlicher Microsoft- und Linux-Produkte sie nach und nach verdrängte. Auf der Suche nach neuen Absatzmärkten kaufte Novell 2003 die Nürnberger Softwareschmiede SUSE, die bis dato die gleichnamige Linux-Distribution vertrieben hatte. Durch die Investitionen Novells und der professionellen Unterstützung der Entwicklergemeinde hat openSUSE im Dezember 2006 einen Entwicklungsstand erreicht, der den Einsatz auf Desktop-PCs unproblematisch macht.
  • Nicht zuletzt ist die Nutzbarkeit durch zahlreiche Anwendungen wie Mozilla (Firefox, Thunderbird) und OpenOffice gestiegen. Da diese Programme mittwerweile ihren Siegeszug auf Windows-Systemen feiern, hat man eine gewohnte Arbeitsumgebung unter Linux. Ich arbeite permanent mit Firefox, und merke zeitweise gar nicht, dass ich an einem Linuxrechner sitze. Firefox-Extensions funktionieren unter Linux natürlich auch.
    Das Java Runtime Environment bietet Kompatibilität für noch mehr Anwendungen.

Hello World. Ich besitze ein einsatzfähiges System, mit dem ich auf jeden Fall das benötigte Tagesgeschäft erledigen kann. Zudem bin ich natürlich angefixt von den Möglichkeiten, die eine Linux-Umgebung noch mit sich bringt, allervorderst natürlich die aus dem Berufsalltag bekannten Serverdienste. Apache läuft auf knapp 60% der Webserver weltweit, und Linuxserver findet man immerhin noch in etwa 12% der Firmennetze. Windows als Grundsystem bleibt mir ja erhalten.

Gimpshop:
Bisher war ein weiteres Hemmnis, Linux zu nutzen, die fehlende Photoshop-Version für Linux. Es gibt aber mittlerweile einen Variante des OpenSource-Grafikprogramms The Gimp, das die Arbeitsoberfläche von Photoshop 1:1 nachbaut: Gimpshop. Ich habe es zunächst als Windows-Variante ausprobiert und bin sehr angetan. Streng genommen ist Gimpshop Plagiarismus, aber Adobe wird sich da sicherlich ruhig verhalten, denn dass es ein Patent auf die Photoshop-Menustruktur gibt, bezweifle ich. Die Beispiel-Screenshots belegen es, links Gimpshop, rechts Photoshop.

Linux-Einsteigern würde ich erstmal eine Ubuntu-Variante empfehlen. Man kann Ubuntu für einen ersten Leistungstest direkt von einer Live-CD starten. Die anschliessende Installation läuft komplett über mausgesteurte Dialoge. Kein Problem für Windows-User. Der Parallelbetrieb zweier Monitore (Dual View bzw. Dual Head) ist allerdings umständlich. Eine sehr gute Anleitung gibts im deutschen Ubuntu Wiki. Bei Ubuntu und anderen Debian Distributionen fehlt leider das grafische Systemtool YAST (s.u.)

Dann muss man selbst entscheiden, ob man sich die Mühe macht, noch einmal umzusteigen und auf welche Distribution. Dr. Pinguins Tip: Der Linux Distribution Chooser von Zegenie Studios. Klickt euch durch ein paar Fragen, und euch wird die optimale Distribution empfohlen. In 16 Sprachen, einsame Spitze.

Ich habe mich für eine etablierte Distribution entschieden, weil ich alle Treiber für moderne Hardware brauche und weil openSUSE mit vollständig deutschem Handbuch geliefert wird. Zudem erleichtert das YAST die Verwaltung des Systems – wichtig für User, die keine Lust auf Kommandozeilen haben.

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